Hypertrophe Narben und Keloide – ein Unterschied mit Konsequenzen

Nicht jede auffällige Narbe ist gleich. Hypertrophe Narben entstehen durch einen ungünstigen Heilungsverlauf, übermäßige Gewebespannung oder genetische Veranlagung. Das Gewebe verdickt sich innerhalb der ursprünglichen Wundgrenzen, bleibt aber lokal begrenzt. Keloide hingegen sind eine eigenständige Erkrankung: Das Narbengewebe wächst unkontrolliert über die Wundränder hinaus, ähnlich einem gutartigen Hauttumor, und kann entstellende Ausmaße annehmen. Die Unterscheidung ist entscheidend für die Wahl der richtigen Therapie.

Prävention als erster Schritt

Der wirksamste Schutz vor problematischen Narben ist ihre Vermeidung. Eine präzise, spannungsarme Schnittführung sowie eine konsequente Narbenpflege in der Heilungsphase sind die Grundlage jeder guten chirurgischen Versorgung. Plastische Chirurgen sind darauf spezialisiert, Narben so zu platzieren und zu schließen, dass sie im Heilungsverlauf möglichst unauffällig bleiben und die natürlichen Hautspannungslinien berücksichtigt werden.

Behandlung bestehender Narben

Bereits bestehende hypertrophe Narben lassen sich sowohl konservativ als auch operativ verbessern. Konservative Methoden umfassen Silikonauflagen, Kompressionstherapie und gezielte Injektionen. Operativ besteht die Möglichkeit, ungünstig verlaufende Narben durch Techniken wie die Z-Plastik oder W-Plastik umzulagern – dabei wird die Zugrichtung der Narbe an die natürlichen Hautspannungslinien angepasst, wodurch Spannung abgebaut und das ästhetische Ergebnis deutlich verbessert wird.

Therapie bei Keloiden

Keloide erfordern ein kombiniertes Behandlungskonzept. Die chirurgische Entfernung allein ist nicht ausreichend, da das Rückfallrisiko ohne Nachbehandlung hoch ist. Bewährt hat sich die Kombination aus operativer Resektion, anschließender Kortikosteroid-Therapie, Kompressionsbehandlung und gegebenenfalls gezielter Bestrahlung. Nur durch dieses multimodale Vorgehen lässt sich das erneute Wachstum zuverlässig unterdrücken.

Zusammenfassung

  • Unterscheidung zwischen hypertrophen Narben und Keloiden als Therapiegrundlage
  • Prävention durch präzise Schnittführung und gezielte Narbenpflege
  • Operative Korrektur mittels Z-Plastik oder W-Plastik
  • Multimodale Keloid-Therapie: Operation, Kortison, Kompression, Bestrahlung
  • Anpassung der Narbe an natürliche Hautspannungslinien für optimales Ergebnis